Kleinod des Barock und Klassizismus bei Herrnhut, Oberlausitz, Sachsen
Das Schloss wurde um 1724 errichtet, nachdem ein Vorgängerbau durch Brand teilweise vernichtet wurde. Nachweislich ist an diesem Platz seit dem 13./14. Jahrhundert ein Rittergut ansässig – ein in Fels gehauener Keller mit altem Brunnen und Gängen deutet auf eine noch ältere Nutzung hin.
Der Massivbau mit rund 90 cm dicken Außenmauern trägt ein originales Dachtragwerk, das zu den frühesten barocken Mansardendächern der Oberlausitz zählt. Der Säulenportikus prägt die nach Südwesten ausgerichtete Hauptfassade und trägt eine Uhr der Berliner Turmuhrenwerkstatt Georg Richter aus der Zeit um 1920.
Im Inneren erschließt eine repräsentative zweiläufige Treppe die zentrale Eingangshalle und die angrenzenden Räume im Erd- und Obergeschoss. Eine barocke Stuckdecke ziert den großen Salon im Erdgeschoss. Im Obergeschoss sind originale Schlossdielen erhalten – jahrzehntelang unter Belägen und Holzfaserplatten geschützt und daher in gutem Zustand. Ein zweites Treppenhaus, die sogenannte Gesindetreppe, erschließt das Gebäude von einem Seiteneingang und ermöglicht eine unabhängige Nutzung einzelner Bereiche.
Die Grundstücksgröße beträgt etwa 12.000 m² Grünland inklusive Streuobstwiese, Stallgebäude (ca. 230 m²) mit Gewölbedecke auf Granitsäulen und großem Speicher. Am Stallgebäude wurden in den vergangenen Jahren Sicherungsarbeiten durchgeführt: Dach geschlossen, Balken erneuert und verstärkt, Dielung repariert.
Das Schloss wurde bis 2002 als Kindergarten und Hort genutzt; die Innenräume entsprechen daher einem nicht mehr zeitgemäßen Ausbauzustand. Für eine zukünftige Nutzung sind umfangreiche Umbau- und Sanierungsarbeiten einzuplanen. Die original erhaltenen Details wie Treppenanlage, Vertäfelungen, Türen und Stuckdecken bieten eine gute Grundlage für eine substanzschonende Restaurierung.
Eine Ölzentralheizung und ein Gasanschluss sind vorhanden.
Lage
Das Herrenhaus befindet sich am Ortsrand von Herrnhut im Oberlausitzer Bergland, unweit des Zittauer Gebirges. Die Stadt wurde 1722 von mährischen und böhmischen Glaubensflüchtlingen gegründet und ist bekannt für den traditionellen „Herrnhuter Stern“, ein Symbol der adventlichen Tradition, das hier bis heute hergestellt wird.
Herrnhut ist seit 2024 Teil des UNESCO-Welterbes „Siedlungen der Herrnhuter Brüdergemeine“. Ausschlaggebend sind die weltweit wirkende Missionsgeschichte der über 300-jährigen Brüdergemeine sowie der charakteristische Herrnhuter Baustil des schlichten Barock.
Aufgrund der Lage im Länderdreieck Deutschland, Polen und Tschechien ergeben sich Möglichkeiten für grenzüberschreitende Kultur-, Freizeit- und Tourismusprojekte, wie etwa im Wander- und Skitourismus. Versorgung, Schulen, Ärzte und Kinderbetreuung sind im Ort vorhanden.
Entfernungen:
- Berzdorfer See: ca. 6 km
- Löbau: 8 km
- Zittau: 17 km
- Görlitz: 30 km
- Flughafen Dresden: ca. 60 Minuten Fahrzeit
- Prag: ca. 150 km
- Wrocław (Breslau): ca. 175 km
- Berlin: ca. 230 km
Touristische Landschaften / Gebirge:
- Oberlausitzer Bergland: direkt vor Ort
- Zittauer Gebirge: ca. 10 km
- Isergebirge (tschechische Seite): ca. 40 km