Villen-Denkmal südöstlich von Frankfurt an der Oder
Die Villa des Papierfabrikanten Paul Steinbock liegt im Lebuser Land in einer waldreichen Landschaft nahe der polnisch-deutschen Grenze, rund 8 km vom Grenzübergang Słubice entfernt. Die Umgebung ist naturnah, Berlin über die A12 in knapp 90 km erreichbar.
Das Haus wurde um 1900 als Teil eines Ensembles aus Villa, Nebenanlage und Park errichtet. Im Zuge einer ersten Sanierung ab 1999 wurden Decken erneuert, neue Fußböden verlegt und die große Haupttreppe instandgesetzt. In jüngerer Zeit wurde das Dach vollständig neu eingedeckt und damit der Grundstein für die weitere Sanierung gelegt.
Der Innenausbau der drei Etagen kann durch den neuen Eigentümer nach eigenen Vorstellungen gestaltet werden. Ein trockener Keller ist vorhanden.
Die Lage ist leicht erhöht mit Blick auf den nahegelegenen Fluss. Das Grundstück ist über ein repräsentatives Haupttor zugänglich; seitliche Treppen und ein Nebentor bieten zusätzliche Eingänge. Vor dem Gebäude sind die Reste eines dekorativen Brunnens erhalten.
Das Nebengebäude bietet weitere Ausbaureserven.
Es besteht ein Stromanschluss sowie eine eigene Wasserversorgung über einen Brunnen auf dem Grundstück. Der förderfähige Denkmalstatus und die grüne Lage eröffnen private wie gewerbliche Nutzungsszenarien. Außerhalb des Grundstücks gibt es einen Einstieg für Kanu- und Kajaktouren auf der Pliszka, die in Polen sehr beliebt sind.
Historie
Koziczyn – auf Deutsch Steinbockwerk – liegt am Fluss Pliszka, etwa 8 km nordwestlich von Cybinka. Villa und Park befinden sich auf einer Anhöhe südwestlich des Ortes mit Blick auf den Altarm der Pliszka.
Bauherr war der Unternehmer Paul Steinbock aus Frankfurt an der Oder. Steinbock betrieb Papierfabriken in der Region und profitierte von der gut laufenden Braunkohlenmine in Cybinka, die den Einsatz moderner Dampfmaschinen ermöglichte – dadurch stieg die Tagesproduktion von 1,5 auf 3,5 Tonnen Papier. 1883 ließ er die Fabrik in Koziczyn ausbauen, 1889 eine Zufahrtsstraße anlegen, und 1907 erhielt der Ort eine eigene Bahnlinie. In dieser Phase größter Prosperität, Anfang des 20. Jahrhunderts, entstand die Fabrikantenvilla mit Wirtschaftsgebäude und dem umliegenden Park – beide Bauten im Heimatstil mit Jugendstilelementen.
Nach dem Krieg eine staatlichen Landwirtschafts- und Industriegesellschaft Eigentümer.
Der Park war usprünglich größer, birgt aber noch einen Altbaumbestand aus dem frühen 20. Jahrhundert: Stiel-Eichen von bis zu 120 Jahren, Rotbuchen, Spitzahorn, Kiefern, Douglasien und Fichten. Vor der Frontfassade haben sich die Überreste eines ovalen Brunnens erhalten. Die historischen Grenzen der Anlage sind gut erkennbar – der Park wartet darauf, in seiner ursprünglichen Komposition wiederhergestellt zu werden.